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23. September 2017
Tipps und Tricks

In öffentlichen Saunen wird der Aufguss zelebriert wie ein Event: Mit Musik, Lichtshow und wildem Handtuch-Gewedel. Zuhause darf es etwas ruhiger zugehen. Dennoch sollten private Aufgussmeister auch ein paar Tipps und Tricks berücksichtigen...

Ratgeber | Tipps

Das Werkzeug

Für einen Aufguss braucht man klassischerweise einen Holzkübel und eine Schöpfkelle. Ein Wedeltuch aus Frottee gehört ebenfalls zur Grundausstattung. Fortgeschrittene giessen das Wasser manchmal auch mit einer Giesskanne über die heissen Steine des Saunaofens.

Das Timing

Saunaluft ist trocken, durch einen Aufguss wird die Luftfeuchtigkeit erhöht und ein zusätzlicher Hitzeschwall in der Kabine freigesetzt. Um den Kreislauf der Saunierenden nicht unnötig zu belasten, wird dieser Hitze-Peak zum Ende eines Sauna-Durchganges gesetzt. Denn die gefühlte Temperatur steigt sofort deutlich an.

Die Technik

Ziel eines Aufgusses ist es, dass der heisse Dampf gleichmässig in der Kabine verteilt wird. Dazu sind verschiedene Komponenten relevant: Zunächst sollte der Holzkübel mit lauwarmen Wasser befüllt werden. Die moderate Temperierung des Wassers erleichtert unter anderem das gleichmässige Verteilen der zugegebenen Duftstoffe und hilft vor allem, einen weichen Dampf zu erzeugen. Die benötigte Wassermenge ist dabei abhängig von der Grösse des Saunaraumes (Regel: Rund 20 g Wasser je Kubikmeter; 10 g Wasser entsprechen etwa 0,01 Liter). Das Aufgusswasser sollte mit der Holzkelle gleichmässig und von hinten nach vorne auf die Steine des Ofens verteilt werden — und keinesfalls schwallartig. Dies dient vor allem der Sicherheit des Aufgussmeisters: Denn der sofort aufsteigende, heisse Dampf, könnte sonst zu Verbrennungen der Haut führen!

Auch die Steine des Saunaofens haben eine wichtige Rolle: Sie fördern oder verhindern eine gleichmässige Dampfentwicklung. Es lohnt sich also auf hochwertige Steine zu setzten und sie überlegt anzuordnen (Beispiel: oben kleine, runde Steine, unten breite, flache). Das Wasser läuft so nämlich nicht einfach quer hindurch, sondern um die Steine herum. Ideal ist, wenn alle Steine des Ofens gleichmässig vom Wasser ummantelt werden. So entsteht ein sehr weicher, fluffiger Wasserdampf. Dieser wird dann durch das Wedeln des Handtuchs verteilt. Auch für die Entfaltung der Aromastoffe ist die Luftzirkulation entscheidend.

Die Aromastoffe

Ätherische Öle wurden aufgrund ihrer heilenden und antiseptischen Eigenschaften schon im alten Ägypten verwendet. Auch in der Sauna gehören sie schon immer dazu. Heutzutage ist das Feld der ätherischen Öle so riesig, dass es fast unübersichtlich ist. Experten raten dazu, auf synthetische Duftstoffe zu verzichten und ausschliesslich reine natürliche oder naturidentische Duftstoffe zu verwenden. Künstliche Duftstoffe stehen in dem Verdacht Allergien auszulösen. Dafür muss man sich vor Augen halten, dass das Aufgusswasser mit den enthaltenen Aromen auf dem heissen Saunaofen verdampft und auf der Haut der Saunisten kondensiert. Über die Haut (und natürlich auch über die Schleimhäute der Atemwege!) werden die Duftstoffe dann aufgenommen und entfalten ihre Wirkung. Die Range reicht mittlerweile von Zitrusaromen, über blumige Noten, bis hin zu holzigen Bouquets.
 
  • Lemongras und Zitrone werden dabei anregende Eigenschaften zugeschrieben und gelten als Stimmungs-aufhellend
  • Minze und andere Kräuter sind ideal bei Atemwegserkrankungen, da sie schleimlösend wirken
  • Lavendel wirkt entspannend
  • Vanille, Zimt und Nadelhölzer beruhigen Geist und Körper

Als privater Aufgussmeister sollte man sich bei der Auswahl seiner Duftstoffe vollkommen von seinen eigenen Bedürfnissen und Ansprüchen leiten lassen. Was die Dosierung angeht gilt es, die Herstellerangaben zu beachten. Und auch frische Kräuter und Blumen dürfen auf den Ofen: Allerdings nur in eine speziellen Kräuterschale oder einem Sieb.

Die Specials

Aus öffentlichen Saunen kennt man solche Besonderheiten wie den „Honig-„ oder „Salz-Aufguss“, auch der „Bier-Aufguss“ wird mancherorts zelebriert. Letzterer klingt mehr nach Party, als er ist: Bier hat mit dem enthaltenen Hopfen und Malz einfach einen leckeren Duft nach frisch gebackenem Brot. Bei den Aufgüssen mit Honig und Salz geht es darum, die Haut zu pflegen. Denn anstelle von Wasser, wird den Saunisten dabei in Schalen Salz zum peelen oder Honig zur Pflege der Haut gereicht.

Eis-Aufguss

Der „Eis-Aufguss“ kann zweierlei bedeuten: Manchmal ist dem Aufgusswasser dabei Schnee oder zerstossenes Eis beigemischt, um während des Aufgusses kleine, Extra-Hitzestösse auszulösen. Manchmal wird der Schnee aber auch zu einem Eisball geformt und langsam auf den heissen Steinen des Saunaofens zum Schmelzen gebracht. Für den zusätzlichen Aromakick sorgt im Eis enthaltenes Aromaöl.