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07. Oktober 2017
Saunieren für Anfänger.

Schwitzen muss man nicht lernen, jeder kann es: An heissen Sommertagen, beim Sport oder wenn es mal hektisch wird. Doch sobald es in die Sauna geht, wird das Schwitzen zur Kopfsache — dabei könnte es so einfach sein: Man muss sich nur freimachen…

Ratgeber | Gesundheit

Nackt saunieren
FKK-Kultur für die Gesundheit

Freimachen im wahrsten Sinne des Wortes: Nackt sauniert es sich nämlich am gesündesten. Wer sich nicht traut und mit Bikinihose oder Badeshorts in die Sauna geht, wird nicht gleich rausgeschmissen von den anderen Gästen. Aber er riskiert, dass Weichmacher in der Kleidung und ungesunde Duftstoffe freigesetzt werden. Dann lieber ein zweites Handtuch wie einen Kilt um den Körper schlingen und so an die Nacktheit gewöhnen! Lockermachen muss man sich in der Sauna sowieso: Die Schwitzkammer ist kein Ort, um gut aussehen zu wollen. Eigentlich geht es in der Sauna nur um einen selbst. Wer in der Umkleidekabine bespielweise überlegt, ob er die Haare offenlässt oder hochbindet, sollte da nur nach seinem Wohlgefühl gehen. Und dann in der Dusche die ganze Alltags-Aufmachung hinter sich lassen: Parfum, Deo, Make-Up - und seien sie noch so zurückhaltend - gehören nicht in die Sauna. Denn die Hitze potenziert und verändert Aromen und Inhaltsstoffe und kann zu unangenehmen Folgen für die Haut führen.

Still und leise
In-sich-Gucker sind willkommen!

Frei von jeglicher Ver-Kleidung, damit ist dann der erste Schritt in Richtung Sauna getan. Der zweite passiert ganz heimlich, still und leise im Kopf jedes einzelnen. Man muss nämlich den Schalter vom alltäglichen «Abchecker-Modus» in einen bewertungsfreien Zustand umschalten. In der heissen Holzkabine geht es nämlich nicht darum, wer den dicksten Bauch hat oder wer am stärksten schwitzt — sondern wer am meisten bei sich ist. Also lieber nicht zuerst neugierig in die Runde blicken, wenn man auf die Saunaliege klettert, sondern sich einfach nur setzen oder hinlegen und in den eigenen Körper und Kopf hineinspüren. Sagt der nach einigen Minuten, dass es ihm echt zu heiss wird, kann man übrigens gedankenlos wieder rausgehen — niemand wird einen dafür komisch angucken. Die sind alle mit sich selbst beschäftigt und wissen, dass ein guter Saunist der ist, der auf sich selbst hört.

Langsam und bewusst
Mit Bedacht statt Boehoe

Diese Männer, die nach dem Saunagang wie ein Wikinger in das Kaltwasserbecken tauchen oder sich einen Eimer Eiswasser über den Kopf giessen, sind übrigens keine geübten Saunagänger! Das grosse Kräftemessen gehört vielleicht in die städtische Muckibude, aber sicher nicht in die Sauna. Langsam und bewusst begibt sich der geübte Saunagänger aus der Schwitzkammer: setzt sich erstmal hin, geht langsamen Schrittes zur Tür. Man atmet draussen tief ein und aus, duscht sich kalt ab. Und wenn man dann noch mag, geht es ab in den Tauchbottich, See oder den kalten Schnee.

Keine Dogmen
Im Jetzt-Moment entspannen

Saunieren kann, wenn man es öfters macht, fast etwas Meditatives haben. Denn hat man einmal seine Routine gefunden, bleibt man oft dabei. Immer oben rechts auf der Bank und immer genau 15 Minuten lang — das darf natürlich nicht zum Dogma werden! Denn der Körper ist kein Uhrenwerk und manchmal tickt er einfach anders. Zum Beispiel, wenn ein Infekt in ihm lauert oder ein anstrengender Tag ihm noch in den Knochen sitzt. Dann ist es gut, wenn man von seiner Routine abweicht und kürzer oder gar nicht in die Sauna geht. Denn Saunieren ist vor allem ein Herz-Kreislauf-Workout und darf keinesfalls durchgeführt werden, wenn man angeschlagen ist.

Die eigentliche Herausforderung beim Saunieren liegt also darin, in sich hinein zu horchen. Sich zu fragen: Wie fühle ich mich? Was braucht mein Körper heute? Und dabei nicht auf den Nebenmann oder die Nebenfrau zu achten. Das ist dann schon fast Yoga für den Geist — und die absolute Entspannung ist diesem Innehalten unter extremen Temperaturbedingungen sicher.