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09. Oktober 2017
Mehr als heisse Luft...

Man kann sich Robert Heinevetter in etwa so vorstellen, wie einen Dirigenten. Nur dass er nicht Musiker zum Spielen und ihre Instrumente zum Klingen bringt, sondern die Luft in der Sauna. Denn was ohne Robert Heinevetter einfach nur ein stilles, schweisstreibendes Erlebnis ist, wird durch den Aufgussmeister zu einer multi-sensorischen Wellness-Zeremonie. Bewaffnet mit einer speziell angefertigten Aufgusskelle oder einem Saunakübel voller Wasser, Eisblöcken, reinen ätherischen Ölen, einem oder zwei Wedeltüchern - dazu Musik und Licht in verschiedenster Form, betritt Robert Heinevetter bei Aufguss-Zeremonien seine Bühne: die Saunakabine. In einer vorher genau einstudierten Abfolge kreiert er dann mit den unterschiedlichen Elementen ein Sauna-Erlebnis der besonderen Art.

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Alltagsfreuden und Special-Events

Saunaaufgiesser — das ist nicht nur ein Hobby oder eine Passion, sondern ein Beruf. Robert Heinevetter arbeitet seit 2009 in der renommierten Therme Tamina in Bad Ragaz als Leiter Bad & Sauna. Aber auch in seiner Freizeit ist er häufig als Aufgiesser unterwegs und reist zu Meisterschaften oder eröffnet neue Saunaanlagen in ganz Europa. Zuletzt gewann er mit einer opulenten Aufguss-Show, die er „The Great Gatsby“ betitelte, die 4.  Schweizer Meisterschaft. In dem preisgekrönten, 13-minütigen Event goss Heinevetter Wasser aus gigantischen Champagnerflaschen über den Saunaofen, liess Herzen aus gefrorenem Eis über den heissen Steinen schmelzen und schwang, in einen edlen Dreiteiler gekleidet, formvollendet sein Handtuch. 

Wedeln, wirbeln und Düfte zirbeln

Neben dem Showtalent eines Saunaaufgiessers, geht es aber vor allem um sein Know-How und die Wedeltechnik. Und die will gelernt sein! Während man als Aussenstehender denken könnte, es würde reichen ein Handtuch irgendwie durch die Lüfte zu schwingen, wissen Experten, das dem nicht so ist. Denn mit der Bewegung der Luft durch sein Handtuch, kann der Aufgiesser massgeblich beeinflussen, wie sich die Hitze in der Kabine entwickelt und verteilt. Durch die Kombination von Showelementen und klassischen Wedeltechniken, taucht der Gast in eine andere Welt ein. Auch für die Entfaltung der Aromastoffe bei der Arbeit mit ätherischen Ölen ist die Luftzirkulation entscheidend. Robert Heinevetter hat seine Techniken bei einem Aufgussmeister aus Italien kennengelernt und sich dann weitergebildet. Seine eigene Methode entwickelt er nun stetig weiter — angefacht durch die internationale Konkurrenz und die vielen Aufguss-Freundschaften. 

Heinevetters geheimen Tricks

Robert Heinevetters’ absolute Lieblingsmethode, wenn es um Duftöle geht, ist übrigens der „Schwindende Eisball“: Dafür bohrt er in eine Eiskugel eine kleine Vertiefung für Aromaöl und lässt das Eis dann auf den heissen Steinen des Saunaofens schmelzen. Für den zusätzlichen Aromakick sorgt der Aufguss-Meister, indem er eindrucksvoll mit der Wölbung der Schöpfkelle den Eisballs zerschlägt. Robert Heinevetter arbeitet auch gerne mit mehreren Düften gleichzeitig und erstellt auch eigene Mischungen aus verschiedenen ätherischen Ölen. Für ruhigere Saunagänge nimmt Heinevetter manchmal Klangschalen oder Musik von Ludovico Einaudi und Yann Tiersen. Und wenn es um die Gesundheit geht, arbeitet er mit Meersalz, um die Atemwege zu klären oder Zuckermischungen, die der Haut in Form eines Peelings neuen Glanz und Glattheit verleihen.

Privatlehrer mit Augenzwinkern

Ein bisschen Arzt, ein bisschen Kosmetiker, ein bisschen Parfumeuer…: Der Saunaaufgiesser vereint mehrere Berufe in einem. Wer diesem Anspruch gerecht werden will, braucht eine breite Ausbildung. Robert Heinevetter bildet sich deshalb selbst stetig weiter, gibt sein Wissen aber auch gerne weiter: In Workshops an der Therme in Bad Ragaz kann jeder die Kunst des Aufgiessens von ihm lernen; dazu gehören auch Handtuch-Wedeltechniken wie der „Seitenflagge“ oder „Angel“. Die Namen dieser Techniken verraten über die Zunft der Aufgiesser übrigens noch etwas: Sie haben Humor! Aber wer spärlich behandtucht oder in ein Kostüm gehüllt, vor nackten, schwitzenden Menschen stehen kann, um ihnen Luft und Duft zuzuwedeln, von dem würde man auch kaum etwas Anderes erwarten.

Robert Heinevetter

Robert Heinevetter’s Lieblingsdüfte:
  • Zitrone
  • Weisstanne
  • Zirbelkiefer / Arve
  • Minze

Aufguss-Tipp:
  • Eine Eiskugel formen und mit einer kleinen Vertiefung versehen
  • Einige Tropfen verschiedener Öle in die Wölbung tropfen lassen (max. 3 Düfte)
  • Kugel auf die Steine legen
  • Dann die Kugel zerschlagen, so dass sich das Eis mit dem Öl-Cocktail über die heissen Steine ergiesst